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Luba D. R.
Kongo / Congo Der Volksstamm der Luba gilt als die grösste Ethnie des Kongo und siedelt im Südosten in einem weiten Gebiet bis Katanga im Süden und bis zum Tanganyikasee im Osten. Die Bevölkerungszahl ist nicht genu zu ermitteln, hat aber wahrscheinlich im Stammeskomplex mehrere Millionen Mitglieder. Das Zentrum ist das Gebiet der Upemba-Ebene die auch heute noch als kulturelles Zentrum genannt wird. Die Luba bestehen aus vielen Untergruppen und stellten in ihrer Vergangenheit ein grosses Königreich dar das bereits um 1500 gegründet wurde. Das Königreich erreichte im 18. Jahrhundert bis in das letzte Virtel des 19. Jahrhunderts die grösste Bedeutung und wurde dann von Sklavenjägern und anschliessend durch die europäischen Kolonialmächte heimgesucht was zum baldigen Verfall führte. In postkolonialer Zeit kam es aber immer wieder zu Rückbesinnungen auf die alten Traditionen des Königreichs und auch zu einer Wiederbelebung alter Riten und Brauchtümer. Die Luba stellen, nicht nur wegen ihrer Grösse, eine bedeutende kunstschaffende Ethnie dar. Anzumerken ist die rituelle Verwandtschaft mit den benachbarten Songye deren kifwebe-Geheimbund übergreifend auch bei den westlichen Luba bekannt ist. Die Kifwebe-Masken der Luba unterscheiden sich jedoch von denen der Songye durch einen oft kantigeren Stil und überwiegend weisse Bemalung. Diese kantigeren Formen stehen im Kontrast zu den sonst eher weichen Formen der anderen Objekte der Luba. Die Formen und Stile sind sehr vielfältig aber es zieht sich eine feine, oft feminine Ausstrahlung mit weichen, runden Formen als Charakteristikum durch die meisten Werke der Luba. Bekannt sind vor Allem die Ahnenfiguren die überwiegend weibliche Ahnen representieren und durch einen ruhenden Charakter mit meist halbgeschlossenen Augen einen vergeistigten Ausdruck generieren. Die Ahnenfiguren stehen auch symbolisch für die erste Urahnin und werden umfassend zu rituellen Zwecken gebraucht. Die Mutter-Kind Ausführung z. B. kann zu einer leichteren Geburt verhelfen. Viele dieser Ahnenfiguren scheinen noch bis in die Gegenwart gebräuchlich zu sein wobei grosse qualitative Unterschiede zu bemerken sind. Herausragende Objekte der Luba-Kunst stellen auch die Karyatidenhocker dar die als zeremonielle Hocker während der Ratsversammlungen den Sitz der Ahnen verkörpern. Eigentlich nicht direkt zum Sitzen konzipiert und nur symbolisch zu verstehen, werden diese Hocker aber auch profanen Verwendungszwecken zugeführt was an den oft starken Gebrauchsspuren erkennbar ist. Es ist denkbar, dass diese Karyatidenhocker ausserhalb der Ratsversammlungen einfach von den Würdenträgern als representative Sitzgelegenheit benutzt werden. Bekannt sind auch Figuren von Gefässträgerinnen die kauernd einen ausgehöhlten Kürbis halten der als Orakel gedeutet wird. Eine interessante Hilfe zur Erhaltung der nur mündlich überlieferten Geschichtsschreibung stellen die sogenannten lukasa Erinnerungstafeln dar. Diese aus Holz geschnitzten mittelgrossen Tafeln enthalten komplizierte Ornamente und sind zusätzlich mit kleinen Stiften und Markierungen bestückt. Die lukasa Tafeln dienen den eingeweihten Bewahrern der Stammesgeschichte als Gedächtnisstütze und Erinnerungshilfe. Für nichteigeweihte Personen sind diese Tafeln unlesbar, diese stellen also quasi eine einfache Vorform der schriftlichen, hier jedoch symbolischen Fixierung von Wissen und Geschichte dar. Weitere Objekte sind Zeremonialäxte mit kopfförmig ausgeführtem Griffende und zahlreiche verzierte Gebrauchsgegenstände, u. a. figürliche Nackenstützen. Obwohl die Luba heute überwiegend dem Christentum zugewandt sind bestehen aber viele rituelle Praktiken weiter fort. Auch in der postkolonialen Zeit zeigt sich die Vorliebe zur Gestaltung der ausgesprochen attraktiven Figuren offenbar ungebrochen wobei die qualitative Ausführung stark variiert. |
![]() Weibliche Ahnenfigur der Luba / D. R. Kongo / Congo ![]() Karyatidenhocker der Luba, D. R. Kongo / Congo |
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